Nach der Selbstverpflichtung des Landwirtes zu einem umweltbewußten Handeln (siehe Umweltpolitik) erfolgt die Erfassung des IST-Zustand bzw. die Bestandesprüfung des Betriebes. Dies beinhaltet nicht nur die reine zahlenmäßige Darstellung des Betriebes, sondern darüber hinaus sollten Abläufe (z.B. Tierproduktion, Pflanzenproduktion, etc.), entsprechende Zuständigkeiten und betriebliche Leistungen zum Umweltschutz dokumentiert werden. Dieser Teilabschnitt zur Erstellung eines Umweltmanagmentsystems ist von eminenter Bedeutung, da hier der Grundbaustein für spätere Ansatzpunkte (Auswertung, Stärken und Schwächenanalyse) gelegt wird. Im Einzelnen können die Tätigkeitsbereiche des Betriebes in verschiedene Prozesse untergliedert werden.

Im Folgenden wird dies exemplarisch für bestimmte Bereiche des Milchvieh-Futterbaubetriebes mit Marktfruchtanbau durchgeführt, um den methodischen Ansatz zu verdeutlichen. Die "fett" hervorgehobenen Prozesse werden weiter untergliedert und dargestellt.

Pflanze

Marktfruchtbau: Futterbau / Grünland

Marktfruchtbau
Ackergras (10 ha) Mais (15 ha) Triticale (15 ha)

Triticaleproduktion

Auf dem Betrieb werden 15 ha Triticale (Sorte: Modus) angebaut. Zwischen dem 20.09. und 10.10. erfolgt die Aussaat mit einer Stärke von ca. 350 Körnern/m_. Eine genaue kontinuierliche Dokumentation über die bisherigen Saattermine, Aussaatstärken und eventuellen Besonderheiten liegt nicht vor. Die Stickstoff-Düngung belief sich im Durchschnitt der Jahre auf 160 -180 kg N/ha, unterteilt in drei Gaben (EC 20/25; EC 30/32; EC 47/51). Als Grunddüngung wird dem Boden je nach Gehaltsklasse ca. 70-80 kg/ha P2O5, 180 kg/ha K2O und 40 kg/ha MgO zugeführt. Je nach Befallsstärke werden Fungizidbehandlungen durchgeführt. Der Ertrag liegt bei ca. 70 dt/ha.

Es finden folgende Punkte innerhalb dieses Bereiches Beachtung:

Anbaumaßnahmen Düngung Pflanzenschutz
  • Sorte
  • bodenkundliche Aspekte
  • Saatbettbereitung
  • Aussaatstärke / Zeitpunkt
  • Maschinenpark
  • Einsatzmengen
  • Ausbringungszeitpunkt
  • organische Dünger
  • mineralische Dünger
  • Nährstoffbilanzen
  • Bodenuntersuchungen

Maschinenpark

Die Bodenbearbeitung zur Triticaleproduktion wird von dem Betrieb selbst durchgeführt. Die dafür notwendigen Geräte (Volldrehpflug, Schwergrubber, Walze, Rüttelegge) stehen zur Verfügung. Die Saat erfolgt im Drillverfahren (Drillmaschine). Die Düngung (Schleuderstreuer) und die Pflanzenschutzmaßnahmen (Anbau-Pflanzenschutzspritze) werden ebenfalls in Eigenregie durchgeführt. Für die anfallenden Arbeiten stehen dem Betrieb zwei Schlepper unterschiedlicher Leistung zur Verfügung (59 kW bzw. 92 kW). Die Ernte wird von einem Lohnunternehmer eingeholt. Dabei verbleibt das gehäckselte Stroh auf der Fläche.

organische Dünger

Im Folgenden soll insbesondere auf die Lagerung und Ausbringung des organischen, wirtschaftseigenen Düngers (Gülle) eingegangen werden.
Die Lagerung der Gülle erfolgt in einem Güllebecken aus Stahlbeton mit Vorgrube. Der Behälter ist teilweise im Boden eingelassen. Insgesamt beträgt die Lagerkapazität 900 m_. Auf dem Betrieb fallen jährlich ca. 1300 - 1400 m_ Gülle (inklusive Spülwasser) an. Die Gülle wird durch eine Kreiselpumpe in den Güllebehälter gepumpt. Das Befüllen des Vakuumwagens erfolgt aus der Vorgrube auf einem nicht befestigten Platz. Für die Ausbringung ist der Vakuumwagen mit einem Verteiler (Prallblech) ausgestattet.
Die gesetzlich festgelegten Ausbringungsmengen und Zeiten werden von dem Betrieb eingehalten und dokumentiert. Die Gülle wird unregelmäßig (teilweise größerer zeitliche Abstände) auf ihren Nährstoffgehalt untersucht.

Lagerung von Pflanzenschutzmitteln

Bei den Spritzungen beachtet man das Schadschwellenprinzip, so dass die entsprechenden Mengen der spezifischen Pflanzenschutzmittel nur kurzfristig auf dem Hof zwischengelagert werden. Die Spritzmittel werden in einer Scheune, in der sich auch die Werkstatt des Betriebes befindet auf einem unbefestigten Untergrund aufbewahrt. Leere Behälter, die teilweise noch Reste enthalten werden ebenfalls in diesem Teil der Scheune gelagert.

Tier

Milchkühe: Kälber | Jungvieh

Milchkühe

Der Seehof besitzt 70 Kühe (Schwarzbunte) mit eigener Nachzucht. Die Milchkühe werden in einem Liege-Boxen-Laufstall (Baujahr 1986) mit Betonspaltenboden gehalten. Der Stall ist nicht wärmegedämmt und besitzt eine Trauf/First-Lüftung. Im Liegebereich erfolgt eine Strohhäckseleinstreu. Das Liege/Freßplatzverhältnis beträgt 1:1. Die Haltung beinhaltet eine halbjährige Weidehaltung. Gemolken wird in einem Doppel Sechser-Fischgrät-Melkstand mit Abnahmeautomatik.

Der Bereich Milchkühe wird wie folgt unterteilt:

Haltung Milchgewinnung Tiergesundheit Zucht Fütterung
  • Klauenpflege
  • Tierarzt
  • Kälber- verluste
  • Erhaltung der Fruchtbarkeit
  • Euter- gesundheit
  • Planung
  • Durch- führung
  • Remon- tierung
  • Leistung
  • Kraftfutter
  • Grundfutter
Milchkühe (allgemeine Beschreibung: Umgang und Art)

Stallklima

Die Temperatur und die rel. Luftfeuchtigkeit liegen im Bereich der empfohlenen Rechenwerte. Sporadisch wurde nach der Inbetriebnahme des Stalls verschiedene Parameter durch die Spezialberatung gemessen. Dabei wurden die Richtwerte für z.B. gesundheitsschädliche Gaskonzentrationen (CO2, NH3 und H2S) laut DIN 18910 eingehalten. Auch ist in dem gesamten Stall für eine ausreichende Beleuchtung gesorgt (Futtertisch 400 Lux; Liegeboxen 700 Lux).

Energieverbrauch

Der Stromverbrauch des Betriebes wird nicht nach Verbrauchsort getrennt erfasst. Somit fließt der private Stromverbrauch (Haus) mit in den Gesamtverbrauch. Der höchste Stromverbrauch fordert die Melk- und Kühlanlage. Herr Petersen schätzt den Energieverbrauch auf 400 kW/Kuh und Jahr. Eine Wärmerückgewinnung erfolgt aus der Milchkühlung (Boiler 400 l).

Wasserverbrauch

Der Wasserverbrauch des Betriebes wird ähnlich wie der Stromverbrauch nicht getrennt erfasst (Stall + privater Verbrauch). Zur effizienteren Nutzung des Wassers wurde ein Hochdruckreiniger im Bereich der Melk- und Kühlanlagen installiert. Das Abwasser, dass bei der Reinigung der Melkanlage, Melkstand, Milchkammer und Milchtank entsteht, wird im Güllebehälter gesammelt. Die Melkanlage wird mit Hilfe einer Zirkulationsreinigung unter Verwendung von saurem und alkalischem Reinigungsmittel gesäubert (Verbrauch ca. 180 l)

Tierarzt

In den Bereich des Tierarztes fallen sowohl die regelmäßig durchgeführten prophylaktischen Maßnahmen (z.B. Impfprogramme) als auch die Behandlungen bei der Erkrankung einzelner Tiere. Herr Petersen (Landwirt) beobachtet seine Tiere sorgfältig und kennt die Anfälligkeiten einzelner Tiere für bestimmte Krankheiten. Eine Dokumentation hierüber liegt allerdings nicht vor. Die Kosten im Bereich der Tiergesundheit belaufen sich, inklusive Impfprogramm auf ca. 2,4 Pf/kg Milch. Die anfallenden Arzneimittel werden für weitere Behandlungen von dem zuständigen Tierarzt an Herrn Petersen übergeben. Die zu diesem Zweck eingeführten "Tierärztlichen Arzneimittel-Abgabebelege" sind teilweise im Besitz von Herr Petersen, teilweise lagern diese jedoch auch beim Tierarzt selbst. Die Zwischenlagerung der Arzneimittel erfolgt in einem dafür vorgesehen Regal in einem Vorraum zum Stallgebäude.